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Willmy Magazin Nr. 9 | April 2016

Trend Bier in einem großen Einkaufszentrum in der Innenstadt. An den Wänden sind weiße Schriftzüge auf schwarzem Grund Foto: Martin Rehm angebracht, die die unterschiedlichen Biersorten vorstel- len. Christian Klemenz nimmt eine Bierflasche mit einem rosa-weißen Etikett und schenkt in zwei Biergläser ein, die wie sehr große Brandygläser aussehen. Er riecht ein paar Sekunden an der braungoldenen Flüssigkeit und erklärt dann, woher der intensive Geschmack und Geruch im IPA kommen: Beides entsteht durch die sogenannte Hopfen- stopfung, auch Kalthopfen genannt. „Der Hopfen wird nicht, wie sonst üblich, in der Heißphase dazugegeben, in der dann die ätherischen Öle verdunsten, sondern man gibt ihn später hinzu, in der Kaltphase. Dann bleiben die ätheri- schen Öle im Bier enthalten.“ Wenn ein Kunde zum ersten Mal an einem Craft Beer riecht und es probiert, folgt meis- tens ein „Aha-Moment“, erklärt Christian Klemenz. Bier zum nachtisch? Christian Klemenz stellt, wie auch Jörg Blinkert, schnell klar, dass Craft Beer und das Reinheitsgebot sich nicht auto- matisch ausschließen. Denn der Großteil dieser Biere wird nach dem Reinheitsgebot gebraut. Trotzdem wünschen sich laut Christian Klemenz viele Brauer eine Reform: „Wir wol- len mit der „Craft Beer“-Bewegung dem Bier als solchem eine neue Dimension geben.“ Zum Beispiel wird das belgi- sche Wittbier mit Orangenschalen und Koriander gebraut, also ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen. Allerdings fallen diese nicht unter das Reinheitsgebot. Würde sich das ändern, könnte das Gläschen Bier zu Speisen passen, zu de- nen bisher ein Glas Wein bevorzugt wird – inklusive Des- serts. Wie beim Wein gehört für den genießer auch beim Bier das passende glas Vor allem bringt das Craft Brewing Menschen zusammen. dazu, in dem diearomen zurgeltung kommen. Viele kleine Brauereien, wie die der Binkerts, bieten Hobby- brauern an, sich auszuprobieren. Außerdem erleben Leute, die vielleicht früher nichts mit Bier anfangen konnten, nun info eine ganz neue Vielfalt. Über eins sind sich Christian Kle- menz und Jörg Binkert einig: Craft Beer soll keinen Konflikt BrAUereien in deUTSCHLAnd heraufbeschwören und kann auch nach dem Reinheitsgebot in den vergangenen Jahren gab es einegründungswelle entstehen. Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) befürchtet aber, vongasthaus- undkleinbrauereien, während die Zahl dass Brauer, die nach wie vor nur nach dem ältesten Lebens- der großen und vor allem der mittelgroßen Brauereien mittelgesetz der Welt brauen, gegen eine Reform klagen zurückging. Die kleinen Betriebe tragen aber weniger könnten. DBB-Präsident Hans-Georg Eils räumt jedoch ein: als ein Prozent zur deutschen Bierproduktion bei, die großen 84 Prozent. (Quelle: Bayerischer Brauerbund) „Es ist natürlich falsch zu glauben, dass nur Bier, das nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde, gutes Bier ist.“ ViCToRiA kRAffT 34 Willmymagazin | april 2016


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