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Willmy Magazin Nr. 9 | April 2016

IntervIewtrInkwalder Foto: Julien Fertl einfach anders sehen. Ich bin unendlich wissbegierig und habe Dinge gelernt, die weiß heute kein Weber mehr. willmy magazin: Dabei haben Sie vermutlich den Anspruch, das Beste zu machen? Sina trinkwalder: Ich bin keine Perfektionistin. Perfekt und Plan – no way. Sondern machen. Einfach machen. Ich habe früher viel international gearbeitet. Asiaten reden viel, bevor sie irgendwas entscheiden. Amerikaner machen gleich und fallen dafür ein paarmal auf die Schnauze. Beide sind zum gleichen Zeitpunkt fertig. Ich bin eher amerikanisch. Die Fragen Stellten rainer mÖller UnD SamUel Heller aUS Der reDaKtiOn DeS Willmy magazinS. info SIna trInkwalder Und ManOMaMa • nachabbruch ihres Studiums (politik und Betriebswirt- schaft) gründete Sinatrinkwalder, Jahrgang 1978, im alter von 21 Jahren zusammen mit ihremmann eine Werbeagentur. • nacherlebnissen mit einem Obdachlosen, der sich aus weggeworfenen Hochglanzmagazinen Weihnachts- schmuck bastelte, und einer seit Jahren arbeitslosen Sina Trinkwalder mit einer ihrer Beschäftigten. Vorarbeiterinnen oder ähnliche Hierarchien gibt es nicht. näherin, stieg sie aus der Werbeagentur aus. • grundgedanke ihrer neuen Unternehmensgründung und „lebensaufgabe“manomama war keinprodukt, sondern Sina trinkwalder: Das ist mein Reichtum. Das ist dasziel,menschenarbeit zu geben. meine Rendite. Diese Menschen waren nicht immer selber • Die inzwischen 150 Beschäftigten sind überwiegend schuld an ihrer Lage. Manchmal denke ich mir schon, wenn Frauen mitmigrationshintergrund, Handicap oder es da oben einen gibt, hat er manchmal kein glückliches schlechterausbildung, die kaum Chancen auf dem Händchen. Denn auf der anderen Seite gibt es Menschen, die arbeitsmarkt hatten. haben immer Glück, werden reich geboren, langweilen sich. • Sie erhalten einen Stundenlohn von mindestens 10euro. willmy magazin: War der Erfolg von Manomama eher Sinatrinkwalder bekam keine Fördergelder, das Unter- die Folge guter Planung oder eher Glück? nehmen ist nach wie vor zu 100prozenteigenkapital- Sina trinkwalder: Soll ich Ihnen was verraten? Es gab finanziert. gar keinen Plan. Wann läuft jemals etwas nach Plan? Es • ersterauftrag vonmanomama waren Stofftaschen für ist einfach ein Haufen Arbeit. Ein A… voll Arbeit – und eine Drogeriemarkt-Kette. • inzwischen nähen die „ladys“ am einst wichtigen viel Wein, wenn mal was schiefgelaufen ist. textilstandortaugsburg auchmode wie Jeans, Kleider willmy magazin: Sie haben in Ihrem jugendlichen undt-Shirts – „vomgarn bis zurnaht hergestellt in Elan aber auch ältere Menschen gefunden, die ihre Erfah- Deutschland“. Die zertifizierte Biobaumwolle stammt rungen an Sie als Quereinsteigerin weitergegeben haben. überwiegend aus dertürkei, ein andererteil austansania. Sina trinkwalder: Ja, dazu braucht man vielleicht • Die Kleidung ist im eigenen Onlineshop erhältlich, einen Glück – oder aber die Aufmerksamkeit, diese Menschen laden gibt es bisher nur inaugsburg. auch wahrzunehmen. Das können Menschen sein, die manomama.de große Erfahrung haben, aber auch Menschen, die die Dinge Willmymagazin |april 2016 13


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