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Willmy Magazin Nr. 9 | April 2016

IntervIewtrInkwalder info können. Weil ich die unternehmerische Aufgabe in der Gesellschaft verwurzelt sehe. BUCHtIPP willmy magazin: Gibt es auch das egoistische Motiv, Sinatrinkwalder hat zwei Bücher geschrieben: dass Ihnen Ihre Arbeit Erfüllung bringt? • in Wunder muss man selber machen erzählt sie die Sina trinkwalder: Ja, aber wenn es nur das gewesen geschichte vonmanomama. wäre, hätte ich vielleicht etwas anderes gemacht. Als ich • Kürzlich ist zudem das BuchFairarscht erschienen, in beschlossen hatte, etwas für mich Sinnvolles zu machen, dem sie die Wirksamkeit von Siegeln für ökologisch sprach ich während einer Zugfahrt mit einem älteren hergestellte oder fair gehandelte Waren hinterfragt. Herrn, der mir sagte: „Es interessiert nicht, ob deine Verlag Droemer Arbeit deinem Leben mehr Sinn gibt – wichtig ist, dass sie relevant für die Gesellschaft ist.“ Sorry, 80 Prozent meiner Arbeit machen nicht viel Spaß. Aber ich helfe anderen. Foto: Julien Fertl Und ich habe die Energie dazu. All denjenigen, die keinen Job haben, müssen wir Arbeit verschaffen. willmy magazin: Sie können aber nicht allen Arbeit geben. Wie treffen Sie Ihre Auswahl? Sina trinkwalder: Gar nicht, das geht nach dem Posteingangsstempel. willmy magazin: Sie führen kein Vorstellungs- gespräch? Sina trinkwalder: Mich interessiert nicht, was der Mensch bis dato gemacht hat, mich interessiert, was wir In den Hallen von Manomama riecht man – nichts, denn sonst übliche mit dem Menschen in der Zukunft machen können. Chemikalien bleiben außen vor. willmy magazin: Sie müssen doch wissen, ob jemand dazu passt? sich zwei Mädels angiften. Dann stellst du die an die Sina trinkwalder: Das finde ich im Bewerbungs- frische Luft und sagst: „Schreit euch da draußen aus und gespräch aber nicht heraus. Es bringt nichts, ein Bewer- kommt erst rein, wenn ihr wieder normal seid.“ bungsgespräch mit jemandem zu führen, der große Angst willmy magazin: Und die Sprache? hat, schon in diesem Gespräch zu versagen. Wie motiviert Sina trinkwalder: Wir haben bestimmte Regeln, jemand ist, merken wir nach zwei Monaten, bei manchen beispielsweise: Alle sprechen hier deutsch. Und die es merkt man es erst nach der Probezeit. Und eines muss man nicht können, lernen es hier. Ein neuer Mitarbeiter zum klar sagen: Rund zehn Prozent haben keinen Bock. Das ist Beispiel hatte vorher 37 Jahre in der Textilindustrie aber überall so, in allen Unternehmen. Und die halten wir gearbeitet, sich mit den ebenfalls türkischsprachigen aus, bei Manomama und als Gesellschaft. Bei uns gibt es Kollegen in der Nachtschicht aber türkisch unterhalten – dafür 20 Prozent, die sich über die Maßen engagieren. wie sonst? Mit Deutschen hatten sie keinen Kontakt, weil willmy magazin: Ihre inzwischen 150 Beschäftigten sie immer nachts arbeiten mussten. Wir machen es uns stammen aus 25 Nationen. Sie sagten kürzlich, das sei zu einfach, wenn wir die Leute isolieren und uns dann kein „easy-going“. Wie lösen Sie das? wundern, dass sie isoliert sind. Was wir bei Manomama Sina trinkwalder: Meine Mädels wissen: Der Arbeits- im Kleinen machen, müssten wir in Deutschland auch im platz bei uns ist ihre Chance. Alle müssen verstehen: Großen machen. Aber das kostet Kraft. Wenn wir es nicht als Gemeinschaft hinbekommen, dann willmy magazin: Was meinen Sie konkret? haben wir alle verloren. Die Frauen haben viele Freiheiten Sina trinkwalder: Ich würde die Flüchtlinge nicht und organisieren sich selbst. Die zwischenmenschliche in diese Dörfer schicken, wo die Deutschen wegziehen. Geschichte ist eine andere. Da kann es passieren, dass Das ist eine Gettoisierung. Ich würde sie nur in die Willmymagazin |april 2016 11


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